Es geht in die zweite und somit letzte Runde meines Russlandsaufenthaltes!
Am 29. Januar kamen Ottmar und seine Kollegen gegen späten Nachmittag in Tscheljabinsk ab. Es ging direkt einmal durch alle Projekte, danach durften die Vier sich ein bisschen häuslich einrichten während ich gekocht habe (ok, ich habe fertige Warinikis in heisses Wasser geschmissen).
Geplant war eigentlich noch, dass wir in die Stadt fahren aber ich war völlig erschöpft und es wäre mit der Tramwai auch relativ knapp geworden.
Am nächsten morgen ging es zeitig in die Messe, in der gleich mal eine Taufe stattfand.
Danach haben wir kurz Pater Wilhelm zum Frühstück eingeladen und um 11 Uhr ging es dann mit zwei Autos in ein Rehabilitationszentrum für drogen- und alkoholabhängige Menschen.
Dort wurden wir einmal rumgeführt und haben uns danach zum Tee mit dem Leiter der Einrichtung unterhalten (ja, ich musste die ganze Zeit übersetzten-das Verstehen hat auch wohl ganz gut geklappt aber das Übersetzten von deutschen Fragen ins Russische war doch echt schwer).
Diese Einrichtung finanziert sich allein über Spenden, die ganze Rehabilitation wird von Ehemaligen durchgeführt und Bibel-lesen und beten steht mehr als drei mal am Tag auf dem Plan.
Das Zentrum liegt etwas außerhalb der Stadt auf einem ehemaligen Bauernhof und die Menschen dort bauen alles in Eigenarbeit um.
Danach haben wir es doch noch auf dem Rückweg geschafft eben über den Tscheljabinsker Arbat zu laufen.
Abends ging es dann in den Zug nach Omsk. Ich habe bei der Gelegenheit das erste Mal das Boardrestaurant kennengelernt-eher nicht sooo schön.
Morgens sind wir dann in Omsk angekommen, nachdem ich eine relativ schlaflose Nacht hatte, da wir das Glück hatten genau in unserem Vierer eine Mama mit Kleinkind zu haben. Das Kind war quasi die ganze Zeit am schreien.
In Omsk angekommen wurden wir direkt in die Caritas gefahren und haben uns dort die Projekte angeschaut und wieder eine Messe gefeiert. Abends haben wir noch einen kleinen Stadtbummel gemacht.
Am nächsten Morgen ging es sehr früh nach Slawianka, ein Dorf das ein paar Stunden entfernt von Omsk liegt.
Slawianka ist das Schrecklichste gewesen was ich bisher gesehen habe und das es so schlimm sein kann auf dem Dorf habe nichteinmal ich erwartet.
Der dort ansässige Kinderklub ist in ein einem Blockgebäude untergebracht, indem sonst niemand mehr wohnt. Vor ein paar Jahren war in Slawianka im Winter ein Unfall, bei dem alle Heizkörper geplatzt sind, da dort die Heizungen mit Wasser gewärmt werden ist das ganze Wasser ausgetreten und bei -30 Grad gefroren. Es gab Geldmittel und Katastrophenhilfe, doch da scheint viel Geld auch nicht zum gedachten Zweck gebaucht worden zu sein...
Auf jeden Fall stehen in dem Dorf drei oder vier dieser Blockhäuser hintereinander und wo früher vlt. 30 Familien in einem Haus gewohnt haben, wohnen heute noch 2 Familien oder gar keine mehr.
Wir wurden von einer Frau in ihre Wohung eingeladen, welche in eben solch einem Haus liegt (eine von 2 übrigen Wohungen). In der Wohnung herrschten -10 Grad. Die Heizung funktioniert nicht, der einzige Raum über Null ist das Schlafzimmer in dem sie mit ihrem Mann und Kind zusammen lebt. Dort heizt eine Heizung die über Strom betrieben wird, den Strom hat die Frau übrigens selber illegal abgezwackt.
Ihr Mann arbeitet und verdient im Monat 5000 Rubel (ca. 120 Euro), die Kosten für Abfall, Abwasser etc. ihrer Eigentumswohung betragen momentan 6000 Rubel.
Das große Problem ist, dass über ihrer Wohung und auch über dem Kinderklub niemand wohnt und als die Leute gegangen sind wurden Fenster, Böden, Türen-einfach alles rausgerissen und mitgenommen, sodass es dort nun wirklich wie in einem Rohbau aussieht.
Dadurch kann Wasser und Frost natürlich ungehindert in das Haus eintreten und alles wird noch feuchter und zieht nach unten durch.
Das Dorf ist allgemein völlig verarmt, früher gab es dort eine Werkstatt für Traktoren, die Einzige in ganz Russland mit ein paar tausend Arbeitsstellen, als diese geschlossen wurde ging es mit dem Dorf bergab. Uns wurde ein Foto gezeigt auf dem ein Mann und eine Frau auf dem Boden liegen, beide auf dem Bauch mit den Gesichtern zueinander. Was die da unten machen? Sie reden miteinander, da sie zu besoffen sind um zu stehen wir das eben im Liegen gemacht.
Abends ging es weiter nach Novosibirsk, wieder mit dem Zug, wieder schlecht geschlafen, warum weiss ich auch nicht-vlt.weil es 27 Grad heiß im Zug war.
Vom Bahnhof hat Lisa uns abgeholt und in die Caritas gebracht.
Wir waren einen Tag in Tomsk und haben uns dort die Caritas angeschaut. Dazu aber unten mehr...
Einen Abend waren wir in einem Symphonie-Orchester und ich dachte das wäre gar nichts für mich und ich würde einfach etwas schlafen. Es war der Hammer! So wunderschön das ich erstmal eine Gänsehaut bekommen habe! WOW.
Danach trudelten nach und nach die anderen Freiwilligen ein (auch mal nach drei Nächten im Zug) und Samstags gingen Ottmars Kollegen und Julia kam als Letzte aus St. Peter an.
Sonntag abend ging es für uns dann aufs Dorf nach Motschische, wo die Caritas ein riesen Haus für Seminare etc. hat.
Montag fing unser Zwischenseminar an und nach dem Mittagessen (wir wurden einfach wundervoll versorgt von morgens bis abends ohne das wir auch nur einen Finger krümmen mussten) haben wir uns auf die hauseigenen Langlaufskier getraut. Ich würde sagen ich bin nicht das größte Talent aber Spass macht es schon. Es war übrigens recht kalt:
Resultat der Expedition sind übrigens zwei kaputte Skier (meine sind heile geblieben!)
Mittwochs sind wir dann (für mich zum 2. Mal) nach Tomsk gefahren. Das war eine Aktion. Eigentlich sollte der Fahrer der Caritas uns den 4,5 Stunden Weg nach Tomsk fahren doch Dienstags bekamen wir einen Anruf das es -38 Grad werden soll und wir unter diesen Umständen nicht mit dem Auto fahren dürfen. Wir haben und dann für den Autobus entschieden und sind Mittwoch früh zum Autobahnhof. Alles gut, der Bus fuhr auch ab und die ersten 2 Stunden ging alles gut. Dann allerdings hielt der Bus kurz, um eine Frau springen zu lassen-tja, das hat gereicht um die Bremsscheiben einfrieren zu lassen-nichts ging mehr. Gut das der erfahrene russische Busfahrer immer ne Pulle hochprozentigen dabei hat, damit ließen sich die Bremsscheiben nach einiger Zeit (in der es sehr kalt im Bus wurde) wieder lockern.
Danach ging es zum Glück planmässig weiter.
Abends kam unser Bus erst gar nicht (angeblich eine Panne) und wir mussten eine Stunde warten.
Tomsk ist übrigens eine schöne Stadt, ich persönlich finde, dass es die schönste Stadt Sibiriens ist (naja, von denen die ich bisher gesehen habe zumindest).
Das Zwischenseminar war ansonsten sehr intensiv, sehr lustig und ein bisschen wie in einer anderen Welt. Nun, jetzt bin ich wieder zurück in meiner eigentlichen Welt (nachdem ich wieder eine Nacht im Zug verbracht habe und wieder schlecht geschlafen habe, diemal lag es glaub ich daran das die Schaffer bei jedem Halt wie bekloppt den Wagon abklopfen, da darunter ja auch alles einfriert. Dabei sieht man übringens auch witzige konstruktionen aus Wärmflaschen und Schläuchen mit heissen Wasser die das Eis schmelzen sollen) und dieses Hämmern durch den ganzen Wagon hallt, zudem musste ich mal wieder durch Kasachstan und die Grenzwächter trampeln immer so durch den Zug.
Nun, seit Sonntag bin ich also wieder daheim und wisst ihr was? Es war -3 Grad als ich aus dem Zug gestiegen bin! Die Sonne schien und das Eis schmilzt...ich dachte die ganze Zeit das etwas komsich ist bis ich gemerkt habe das es die Stille ist! Der Schnee unter den Schuhen quitscht nicht mehr und die Vögel zwitschern. Herrlich, watt freu ich mich auf den Sommer! Apropos Sommer: mein Papa und meine Schwester kommen!
Zudem habe ich meinen Urlaub geplant. Ich werde zusammen mit Julia ende Juli in den Altai und an den Baikalsee reisen.
Mein Rückflug wird wohl anfang August sein.
Ich habe mir noch ein paar Sachen für meine letzten Monate vorgenommen, ich habe schon alles mit Natascha besprochen, mein Urlaub ist fest und ich habe ihr gesagt was ich mir noch vorgenommen habe und sie will mich dabei unterstützen. Ich bin also bester Dinge, dass meine nächste Zeit hier noch richtig gut wird und freue mich riesig auf alles was noch kommt!
Nachtrag: Ich war inzwischen im Fitness Club und mir tut alles weh aber es hat verdammt gut getan sich mal wieder auszupowern und jetzt gehe ich zweimal die Woche zur Fitness (danach gibts Sauna und Wirlpool!), mit Andrej habe ich abgemacht nur noch einmal die Woche russisch zu üben.
Zudem war ich Montag abend (Monatg und Dienstag waren frei weil hier der Tag der Vaterlandsverteidiger war) in drei Klubs (ich war in Tscheljabinsk noch nie im Klub und wenn ich dann gehe gleich in drei ;) ). Es war richtig fein mal wieder auszugehen aber mir liegt die russische Klubmentalität nicht besonders...die Frauen haben fast nichts an und die wenigen Männer benehmen sich alle völlig daneben.
Gut, ich habe mal wieder vieles vergessen aber ich denke das ist ersteinmal genug Lesestoff!
Auf besonderen Wunsch hin hier noch ein paar Bilder von meinem russischen Zuhause:
Achja: Da, ich diesen Bericht schon vor einer Woche geschrieben habe ihn aber nicht online stellen konnte, da unser Internet mal wieder nicht gearbeitet hat, hat sich etwas getan hier:
Es ist wieder kalt und windig!! Und es hat wieder derbe geschneit. Schade-zu früh gefreut.
Boah ey das letzte Bild hättste dir sparen können, das holt mich zu sehr auf den Boden der wirklichen Tatsachen meines Ausbildungsberufes zurück.
AntwortenLöschenTz ;)
Man was ist deine Butze schön!? Wahnsinn! Hätte ich gar nicht gedacht!
Ich bin hin und weg!
Küüüüschens!
Hätte ich mir auch nicht so hübsch bzw. relativ gemütlich vorgestellt das Zimmer und die Küche. Deswegen hat mich das ja auch so interessiert.
AntwortenLöschenMit Schnapps kann man auch wunderbar Fahrradschößer enteisen - die letzten Wochen immer eine Flasch Korn unten im Hausflur stehen gehabt ;)
Also. Ich hatte Türschlossenteiser für mein Auto. Ging prima. War nicht teuer. Und man konnte zielgenau ins Schloss (oder Augen von Blödieanen) spritzen.
AntwortenLöschenWinter vorbei. Jetzt ist Herbst angesagt.
Die Bilder sehen teilweise übrigens ganz schön krass aus. Coolio.